Tag 17, 18 & 19: Regen – Roulette

Morning vista from Theziers

Liebe Freunde!

Bei der Ankunft in Lapalud sind wir nur knapp einem stundenlangen Gewitter mit Dauerregen entgangen. Aber so was von knapp… es fing an dicke Tropfen zu regnen als wir ankamen und legte während des Abends und der Nacht richtig los. Wir hatten zum Glück Abendessen in der wunderschönen Herbege (www.ferme-terrebioprovence.com) bestellt – und wieder einmal haben wir herrlich geschlemmt!
Wir waren mit 3 Paaren am Tisch – eines aus England, das aber seit gut 30 Jahren in der Schweiz lebt, eines aus Frankreich und wir. Nach einer Weile fanden wir heraus, das die gemeinsame Sprache am ehesten Deutsch war, denn die Engländer konnten ganz gut Deutsch, der französische Herr kam aus dem Elsass und sprach perfekt Deutsch und seine Frau verstand alles, sprach aber weniger und Olli konnte ebenfalls sein Deutsch praktizieren. Es war ein herrlicher Abend!

Uns war wegen der Wettervorhersage Angst und Bange – es sah nach schlimmem Unwetter aus, was uns in den beiden kommenden Tagen bevorstehen würde. Und tatsächlich gab es in Montpellier, an dem wir am Tag 19 ja vorbei wollten schlimme Überschwemmungen. Aber wir hatten wahnsinnig Glück. Es wurden zwei tolle Fahrradtage – das Wetter war so gut, dass ich mir einen leichten Sonnenbrand auf den Armen eingehandelt habe.

Tag 17 führte uns von Lapalud über Avignon nach Theziers. Während wir die ganze Zeit ängstlich gen Himmel schauten blieb der friedlich und wir genossen die Landschaft und die schöne, ruhige Strecke. In Avignon haben wir dann in mitten der schönen alten Gemäuer zu Mittag gegessen, bevor es mit leicht überfüllten Bäuchen weiter nach Theziers ging.

Avignon -1

Avignon Pope Palace

Schwierig war bei der Etappe, dass die Streckenlänge (wir benutzen kein GPS) bis Avignon vollkommen falsch war. Wir waren 60 anstatt 35 Kilometer unterwegs – da kommt die Planung erst mal durch einander. Glücklicherweise war der zweite Streckenabschnitt von der Länge wie erwartet und wir waren am Ende etwa 90 Kilometer lang unterwegs. Wir haben in einem Weingut übernachtet, das Zimmer anbot – und zu Ollis Freude gab es eine Sauna. Da machte es fast nichts, dass wir noch ins Dorf wandern mussten, um uns mit Essen zu versorgen.

Theziers

Von Theziers ging es nach Aigues-Mortes. Wieder war Katastrophen-Wetter angekündigt und wieder war es ein schöner, sonniger Tag. Uns fiel auf, dass wir an immer mehr Pferdekoppeln und Bullen mit beeindruckenden Hörnern vorbei kamen auf unserer Strecke – das hatten wir bis dahin nie und richtig: Wir waren in der Camargue! Intern haben wir seitdem allerdings die Diskussion um das Wort “flach” verstärkt. Für mich ist eine Gelände flach, wenn ich mich im wesentlichen ohne Höhenunterschiede voran bewege. Und das schien mir nicht der Fall zu sein, da ich über weite Strecken im ganz kleinen Gang die Berge hoch hechelte und mit 40km/h auf der anderen Seite wieder runter schoss. Ergo: NICHT flach! Haha, sagt da der Olli – alles falsch! Denn, so die Finnische Logik, das gleicht sich ja aus und im Mittel ist es flach. Ihr habt keine Ahnung wie egal mir das “Mittel” sein kann, wenn ich ausser Puste bin!

Aigues-Mortes war dann ein echtes Erlebnis. Die Stadt, die der Ausgangspunkt für den 7. Kreuzzug war, hat eine komplett erhaltene Stadtmauer und eine schöne Atmosphäre in den kleinen Gassen. Im “Le Dit Vin” haben wir hervorragend gegessen – und Olli fand in seinen Austern doch tatsächlich eine kleine Perle! Die begleitet uns jetzt als ganz spezielles Souvenir. So sind dann glücklich ins Bett gefallen, um die leichte letzte Strecke bis ans Meer in Angriff zu nehmen.

Aigues-MortesIn Aigues-Mortes

Hatten wir das nicht schon mal, dass die Dinge manchmal ganz anders sind als erwartet? Die 55 Kilometer waren tatsächlich flach (auch nach meiner Definition) und es war entweder windstill oder wir hatten Rückenwind – also beste Voraussetzungen für eine nette Spazierfahrt immer am Wasser lang. Denkste!

bad bike road between Aigues-Mortes and Sete

Die Strecke war die eindeutig schwierigste’ die wir bisher gefahren sind. Kurz hinter Aigues-Mortes ging der Radweg von Kies auf Lehm und von da in die Baustelle einer Strasse. Tiefer, vom Regen der letzten Tage vollkommen aufgeweichter und nasser Lehm machte das Fahrradfahren sehr langsam und sehr kraftaufwändig. Als des einmal überstanden war landeten wir auf einer normalen Strasse – die sich in eine Schnellstrasse verwandelte. Das war dann zwar schneller zum Radeln aber ziemlich stressig. Und weil es so schön ist, hatten wir die Kombination aus Baustellen-Radweg und Schnellstrasse später noch einmal. Nach den 50 Kilometern waren wir fix und fertig. Aber: Wir sind in Sete und heute Abend geht es zu “Chez Francois” wo wir lecker Meeresfrüchte essen werden. Und morgen ist Ruhetag – nach 1551 gefahrenen Kilometern eine echte Wohltat!!!

Und falls es Zweifel gibt – hier sind wir bei Chez Francois – einer der Gründe für eine lange, lange Fahrradreise…
Seafood at Chez Francois! _1

Seafood at Chez Francois! _2

Bis dann

Claudia & Olli

Tag 16: Brückentag der anderen Art

Liebe Freunde,

Die heutige Etappe führte uns von Le Pouzin bis nach Lapalud – und dank unseres liebeswerten Gastgebers in Le Pouzin, Dominic wurde es eine ganz wunderschöne Etappe. Wir haben ja gestern schon beschrieben, dass wir immer wieder Schwierigkeiten haben, die Strecke der ViaRhona zu identifizieren und auch in Le Pouzin war das der Fall. Ein wenig abgeschreckt vom Verkehr der Hauptstrasse, die für viele Kilometer der Zugang zur ViaRhona zu sein schien wollte wir komplett auf die andere Rhoneseite ausweichen. Als Dominic (der kein Englisch spricht, aber trotzdem tapfer mit uns kommunizierte) nach unserem Weg für den Tag fragte und wir ihm erklärten und zeigten was wir vorhatten, war er nicht glücklich. “Nein, nein: Keine gute Idee – viel zuviel Verkehr auf der andern Seite, warum wir nicht einfach die Strasse gerade aus fahren, unter der Eisenbahn durch und dann links? Voilá dann wären wir auf der ViaRhona!” Olli, der bei uns die Streckenplanungshoheit hat dachte kurz nach und wir folgten der Beschreibung. Und das war eine gute Entscheidung!
ViaRhona Signpost
Es war der bisher schönste Abschnitt der ViaRhona – ruhig, toll ausgebaut und immer wieder ging es auf 5 kleinen charmanten Brücken über die Rhone oder einen ihrer kleineren Seitenarme. So sind wir über eine der grossen Schleusen gefahren und über eine alte Brücke, deren 3 alte Steinpfeiler nur Platz für je ein Auto boten – auf einer Strasse mit Gegenverkehr wohlgemerkt. Da diszipliniert sich der Verkehr dann ganz automatisch – es ist wenig los auf der Brücke und diejenigen, die da fahren, nehmen die Geschwindigkeit gelassen… Unser absoluter Favorit war jedoch die Hängebrücke! Nein, nicht falsch gelesen: HÄNGEBRÜCKE!! Wir waren vorher schon ganz hin und weg von der Burg Chateau Rochemaure, die sich auf dem Berg auszubreiten begann. Die Burg ist noch im leicht zerfallenen Zustand riesig und beeindruckend. Chateau RochemaureAls wir uns von der Burg abwandten fanden wir uns auf einem Weg zu einer richtig alten Brücke – und auf diese Brücke passen auch beim allerbesten Willen keine Autos. Zwischen die Jahrhundertealten Brückenpfeiler hat man eine Hängebrücke aus Stahl für Radfahrer und Fussgänger installiert – einfach genial! Es ist ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis über die Brücke zu fahren. Man kommt durch den alten Steinbogen und fährt gefühlt ins Nichts – unter uns leichte Metallplatten, links und rechts ein Stahlnetz das mit einem Stahlseil zum Greifen abschliesst. Und dann lässt man rollen und versucht sich staunend auf den Mittelpfeiler zu konzentrieren und dann danach den Endpfeiler anzupeilen. Geschätzte 200 Meter wird die Konstruktion lang sein, die so phantastisch alte und neue Architektur verbindet. Alleine schon diese Brücke ist eine Reise wert!
Hanging bridge near Chateau Rochemeareau
Hanging bridge
Wir waren heute auch wieder einmal entzückt über die Hilfsbereitschaft der Leute in dieser Gegend. Wir sind 2-mal angesprochen worden, ob wir uns verirrt hätten und dann mit Engelsgeduld wieder auf den richtigen Weg geleitet worden. Wirklich toll! Und ich finde es auch immer wieder schön, wenn wir mit Enthusiasmus von anderen Radfahrern gegrüsst werden. Während das “Bon Jour” im Elsass und Franche-Comte eher gehaucht wurde wird es hier geschmettert – sehr schön!!

Der auffrischende (Gegen-) Wind kündigte an, dass der Wetterbericht (hier benutzen wir übrigens: http://www.yr.no – die sind die besten, die wir bisher gefunden haben) leider nicht falsch war und heftiger Regen aufzog. Also haben wir gestrampelt wie die Wilden und es mit dem ersten Donnergrollen und den ersten Tropfen ins Gite geschafft. Dieses Mal schlafen und essen wir auf einem Bio-Bauernhof. Das Gebäude ist wieder ein schönes altes Haus, das mit viel Liebe zum Detail umgebaut worden ist [www.ferme-terrebioprovence.com].

Wir vermuten, dass wir in den kommenden 2 Tagen mit Dauerregen zu tun haben – mal sehen, was es dann davon zu berichten gibt.

Bis dann

Claudia & Olli

Tag 14 & 15: Endlich Süden!

Toulon

Liebe Freunde,

es ist ein wenig schwierig diesen Etappen zu beschreiben… Der Grund ist, dass man eigentlich die etwa 100 Kilometer zwischen Macon und gut 30km südlich von Lyon besser vergessen sollte. Es war einfach nicht schön und das setzte sich auch darin fort irgendwie wieder aus Lyon heraus zu finden… Die besagten 30 Kilometer waren davon geprägt, dass wir keine Radwege finden konnten und mitten im dicksten Verkehr unterwegs waren. Von Autos und LKWs umgeben haben wir uns irgendwie durch geschlagen, bis wir den Eingang zur “Via Rhona” fanden. Diese Radroute sollte uns zuerst zur Rhone und dann an der Rhone entlang Richtung Mittelmeer führen.

Die Via Rhona ist nichts für schwache Nerven. Wir haben bisher so ziemlich alles gehabt: Fehlende Ausschilderungen, perfekte Wegweiser, kaum befahrbare Fahrstrecken und perfekte, tolle Fahrbeläge. Immer schön abwechselnd, damit es nicht langweilig wird 🙂 Die zweite Hälfte der Strecke wurde dann aber immer schöner und die Leute auch immer freundlicher (auch das war rund um Lyon eher deprimierend) und so waren wir in Toulon dann wieder bester Laune.
Olli helps anoter cyclists en route
Der heutige Tag war kurz (rund 65km) und richtig schön – die Landschaft wurde immer mehr so, wie wir uns den Süden vorstellen, Valence war sehr schön und belohnte den Besuch mit einem wunderbaren Mittagessen…. und so haben wir die Strecke bis Le Pouzin in vollen Zügen genossen. Der Gegenwind heute war zwar ordentlich, aber da wir bisher quasi immer Rückenwind hatten geht das quasi als ausgleichende Gerechtigkeit in Ordnung.
Chambre d`Hote in Le Pouzin

Chambre d`Hote in Le Pouzin - including dog
Das lustigste was uns bisher passiert ist war übrigens vor einem Supermarkt kurz hinter Lyon. Wir wurden von einem älteren Ehepaar angesprochen – und während ich versuchte aus den freundlichen Worten etwas zu verstehen, tippt die Frau ihren Mann an und sagt: “Schatz, ich glaub die sprechen kein Französisch. Sieh mal wie die reisen – das macht kein Franzose!” Das habe ich verstanden und mich beinahe weggeworfen vor lachen 🙂

Morgen geht es Richtung Orange – wir kommen dem Mittelmeer immer näher!

Bis bald,

Claudia & Olli

Tag 11, 12 & 13: Das erste halbe bisschen ist geschafft!

Liebe Freunde!

nachdem wir von Dole und dem ultimativen Chambre d` Hote bei Francois von der La Batellerie (unbedingt merken, wer da vorbei kommt!! Eine bessere Unterkunft KANN MAN NICHT FINDEN!!) sehr unwillig aufgebrochen waren, ging es Richtung des Flusses Saône. Zu Olli`s Entsetzen führte uns das zunächst Richtung Nord-West. Und das ist ja ziemlich genau 90 Grad zu dem, wo wir eigentlich hin wollten… Das klärte sich dann irgendwann und wir fuhren wir wieder in die “richtige” Richtung. Auch weil wir irgendwann wieder den Radweg verliessen und uns ab durch die Dörfer schlugen. Zum Mittag waren wir auf einer sonnigen Terrasse mit etwa 20 weiteren französischen Radfahrern, die in der Gegenrichtung unterwegs waren und uns nach dem Zustand des Radweges (in Deutsch… :-)) fragten.
Der Tag war schön – eine lebhafte, hüglige Landschaft und auch wenn das hiess, dass wir immer wieder rauf und runter mussten, so war es doch ein sehr vergnüglicher Fahrradtag. Wir kamen an unserer Unterkunft an, die sich als Jadgschlösschen aus dem 17. Jahrhundert herausstellte…. in recht originaler Verfassung in jeder Hinsicht. Als die Besitzer fragten, ob wir denn auch Abendessen haben wollten waren wir begeistert – und oh Mann, haben wir wunderbar gegessen! Das meiste war aus der Region oder gar dem einen Garten und es war unglaublich lecker. Vier Gänge später kamen leicht verirrte Britische Gäste an, mit denen wir dann viel zu lange lachend und Wein genießend am Tisch sassen und die Zeit vergassen…

Chambre d`Hote in Givry   View on Cluny

Am nächsten Morgen waren wir dann erstaunlicherweise doch die ersten, die auf den Beinen waren und machten und auf den Weg nach Cluny (oder wie Olli es auf Finnisch-Franzöisch ausspricht Clooney). Da wollte ich immer mal hin! Cluny, in dem so vieles kirchengeschichtlich wichtige erdacht und formuliert worden ist – und womit ich mich zusammen mit meinem Studienfreund Janni beschäftigt habe. Wunderbar! Von dem Kloster und der Kirche ist kaum noch etwas da (wurde alles im 17. Jhd gründlich zerstört und geschleift), aber die Stadt ist hübsch – und für mich war es wirklich etwas besonderes in dem Rest des alten Gemäuers herum laufen zu können.
Cluny Abbey   Nach Cluny ging es immer wieder knackig bergauf… teilweise 10 – 15% Steigung. Da musste ich dann doch auch zweimal schieben und meine Beine fanden den Ausflug auf einmal gar nicht mehr so einfach. Toll war der längste Fahrradtunnel Europas: Tunnel klingt ja erfreulicherweise so, als würde man da eher ohne Steigung durch den Berg kommen, aber dem war nicht so. Nachdem wir japsend den Berg hoch geradelt sind (wenn man das bei ca. 5km/h so nennen darf) sind wir dann steil bergab gerollt und in den Tunnel rein – 1,6 Kilometer. Ein offenbar alter Tunnel der Eisenbahn. Und dann haben wir dabei auch noch die 1000 Kilometer-Marke erreicht,.. wir sind seit 1000 km unterwegs – wer hätte das gedacht?
Ziel der Etappe war Macon, von dem wir praktisch nichts gesehen haben. Unsere last-minute Übernachtung haben wir neben dem Einkaufszentrum gefunden und so haben wir von der Stadt nichts gesehen.

Gravel, Gravel, Gravel

Die 12. Etappe war überraschend unerfreulich. Die Radwege wurden schon in den letzten Tagen immer schlechter – aber heute war es dann wirklich schlimm.   Die Wege waren unbefestigt mit faustgroßen losen Steinen – über eine Strecke von gut 6 Kilometern. Danach sind wir auf die Strasse ausgewichen, die ziemlich stark befahren war. Die 70 Kilometer heute waren anstrengend – gut, dass morgen (Sonntag) Ruhetag ist! Laut gelacht haben wir dann als Französisch Ignoranten bei diesem Ortsnamen… St. Cure d`Ars. Das muss ein Wallfahrtsort für Fahrradfahrer sein – bestimmt!! Cyclists cure....

Lyon hat uns bisher total überrascht. Was wir gesehen haben ist schön und immerhin ist es ja die Hauptstadt der französischen Küche 🙂 Bisher haben wir ein sehr unterhaltsames Ballett mit professionellen Tänzern auf einem Platz gesehen (Damen wie Herren im Tütü – sehr fein) und über die schöne Architektur gestaunt. Morgen werden wir uns weiter umsehen in der Altstadt und wohl ein Museum besuchen.

 

Bis bald!

Claudia & Olli