Tag 16: Brückentag der anderen Art

Liebe Freunde,

Die heutige Etappe führte uns von Le Pouzin bis nach Lapalud – und dank unseres liebeswerten Gastgebers in Le Pouzin, Dominic wurde es eine ganz wunderschöne Etappe. Wir haben ja gestern schon beschrieben, dass wir immer wieder Schwierigkeiten haben, die Strecke der ViaRhona zu identifizieren und auch in Le Pouzin war das der Fall. Ein wenig abgeschreckt vom Verkehr der Hauptstrasse, die für viele Kilometer der Zugang zur ViaRhona zu sein schien wollte wir komplett auf die andere Rhoneseite ausweichen. Als Dominic (der kein Englisch spricht, aber trotzdem tapfer mit uns kommunizierte) nach unserem Weg für den Tag fragte und wir ihm erklärten und zeigten was wir vorhatten, war er nicht glücklich. “Nein, nein: Keine gute Idee – viel zuviel Verkehr auf der andern Seite, warum wir nicht einfach die Strasse gerade aus fahren, unter der Eisenbahn durch und dann links? Voilá dann wären wir auf der ViaRhona!” Olli, der bei uns die Streckenplanungshoheit hat dachte kurz nach und wir folgten der Beschreibung. Und das war eine gute Entscheidung!
ViaRhona Signpost
Es war der bisher schönste Abschnitt der ViaRhona – ruhig, toll ausgebaut und immer wieder ging es auf 5 kleinen charmanten Brücken über die Rhone oder einen ihrer kleineren Seitenarme. So sind wir über eine der grossen Schleusen gefahren und über eine alte Brücke, deren 3 alte Steinpfeiler nur Platz für je ein Auto boten – auf einer Strasse mit Gegenverkehr wohlgemerkt. Da diszipliniert sich der Verkehr dann ganz automatisch – es ist wenig los auf der Brücke und diejenigen, die da fahren, nehmen die Geschwindigkeit gelassen… Unser absoluter Favorit war jedoch die Hängebrücke! Nein, nicht falsch gelesen: HÄNGEBRÜCKE!! Wir waren vorher schon ganz hin und weg von der Burg Chateau Rochemaure, die sich auf dem Berg auszubreiten begann. Die Burg ist noch im leicht zerfallenen Zustand riesig und beeindruckend. Chateau RochemaureAls wir uns von der Burg abwandten fanden wir uns auf einem Weg zu einer richtig alten Brücke – und auf diese Brücke passen auch beim allerbesten Willen keine Autos. Zwischen die Jahrhundertealten Brückenpfeiler hat man eine Hängebrücke aus Stahl für Radfahrer und Fussgänger installiert – einfach genial! Es ist ein wirklich bemerkenswertes Erlebnis über die Brücke zu fahren. Man kommt durch den alten Steinbogen und fährt gefühlt ins Nichts – unter uns leichte Metallplatten, links und rechts ein Stahlnetz das mit einem Stahlseil zum Greifen abschliesst. Und dann lässt man rollen und versucht sich staunend auf den Mittelpfeiler zu konzentrieren und dann danach den Endpfeiler anzupeilen. Geschätzte 200 Meter wird die Konstruktion lang sein, die so phantastisch alte und neue Architektur verbindet. Alleine schon diese Brücke ist eine Reise wert!
Hanging bridge near Chateau Rochemeareau
Hanging bridge
Wir waren heute auch wieder einmal entzückt über die Hilfsbereitschaft der Leute in dieser Gegend. Wir sind 2-mal angesprochen worden, ob wir uns verirrt hätten und dann mit Engelsgeduld wieder auf den richtigen Weg geleitet worden. Wirklich toll! Und ich finde es auch immer wieder schön, wenn wir mit Enthusiasmus von anderen Radfahrern gegrüsst werden. Während das “Bon Jour” im Elsass und Franche-Comte eher gehaucht wurde wird es hier geschmettert – sehr schön!!

Der auffrischende (Gegen-) Wind kündigte an, dass der Wetterbericht (hier benutzen wir übrigens: http://www.yr.no – die sind die besten, die wir bisher gefunden haben) leider nicht falsch war und heftiger Regen aufzog. Also haben wir gestrampelt wie die Wilden und es mit dem ersten Donnergrollen und den ersten Tropfen ins Gite geschafft. Dieses Mal schlafen und essen wir auf einem Bio-Bauernhof. Das Gebäude ist wieder ein schönes altes Haus, das mit viel Liebe zum Detail umgebaut worden ist [www.ferme-terrebioprovence.com].

Wir vermuten, dass wir in den kommenden 2 Tagen mit Dauerregen zu tun haben – mal sehen, was es dann davon zu berichten gibt.

Bis dann

Claudia & Olli

Leg 14 & 15: Eventually… the South!

Toulon

Dear friends,

it is a bit tricky to describe these two legs… Reason being that it would be best to completely forget about the 100 kilometers between Macon and some 30km south of Lyon. It was simply not nice and was not made any better by trying somehow to find a way to leave Lyon… The mentioned 30 kilometers were marked by us not being able to find any kind of bicycle path and we were with bikes and panniers in the middle of heavy traffic, surrounded by cars and lorries until we accidentally found the “Via Rhona”. That is the bike route which shall lead us first to the river Rhone and following it towards the Mediterranean Sea.
Olli helps anoter cyclists en route
Well, let`s say that Via Rhona is nothing for people with weak nerves. What we have found so far was: Missing sign posts, perfect indication of the route, paths that were hardly possible to cycle and brilliant surfaces. To keep things entertaining they change in random order 🙂 The second half of the stage eventually made up for it and became more and more beautiful. Even people we met were a lot more friendly than around Lyon (where I admit they appeared to be rather grumpy – no offense…) – and our mood rose!
Today`s leg was rather short with 65km and absolutely gorgeous: The landscape became more “southern” (as Olli said: Look, the grass is looking burnt from the sun!!), Valence is beautiful and rewarded the visit with a wonderful lunch – and we enjoyed the rest of the day to Le Pouzin fully. Even the headwind did not bother us too much – we have been very lucky so far with backwind that it almost feels right to have a bit of a headwind now.
Chambre d`Hote in Le Pouzin
Chambre d`Hote in Le Pouzin - including dog
The funniest what has happened so far took place in front of a supermarket just beyond Lyon. We were approached by an elderly couple and while I tried to make sense of his gentle words the wife taps on the sholder of the husband and says: “Honey, I think they don`t speak French. Look at the way they travel – No French would do THAT.” I almost died laughing 🙂

Tomorrow we will go towards Orange – we get ever closer to the Sea!

So it`s Bye Bye from us for now… Bye Bye!

Claudia & Olli

Tag 14 & 15: Endlich Süden!

Toulon

Liebe Freunde,

es ist ein wenig schwierig diesen Etappen zu beschreiben… Der Grund ist, dass man eigentlich die etwa 100 Kilometer zwischen Macon und gut 30km südlich von Lyon besser vergessen sollte. Es war einfach nicht schön und das setzte sich auch darin fort irgendwie wieder aus Lyon heraus zu finden… Die besagten 30 Kilometer waren davon geprägt, dass wir keine Radwege finden konnten und mitten im dicksten Verkehr unterwegs waren. Von Autos und LKWs umgeben haben wir uns irgendwie durch geschlagen, bis wir den Eingang zur “Via Rhona” fanden. Diese Radroute sollte uns zuerst zur Rhone und dann an der Rhone entlang Richtung Mittelmeer führen.

Die Via Rhona ist nichts für schwache Nerven. Wir haben bisher so ziemlich alles gehabt: Fehlende Ausschilderungen, perfekte Wegweiser, kaum befahrbare Fahrstrecken und perfekte, tolle Fahrbeläge. Immer schön abwechselnd, damit es nicht langweilig wird 🙂 Die zweite Hälfte der Strecke wurde dann aber immer schöner und die Leute auch immer freundlicher (auch das war rund um Lyon eher deprimierend) und so waren wir in Toulon dann wieder bester Laune.
Olli helps anoter cyclists en route
Der heutige Tag war kurz (rund 65km) und richtig schön – die Landschaft wurde immer mehr so, wie wir uns den Süden vorstellen, Valence war sehr schön und belohnte den Besuch mit einem wunderbaren Mittagessen…. und so haben wir die Strecke bis Le Pouzin in vollen Zügen genossen. Der Gegenwind heute war zwar ordentlich, aber da wir bisher quasi immer Rückenwind hatten geht das quasi als ausgleichende Gerechtigkeit in Ordnung.
Chambre d`Hote in Le Pouzin

Chambre d`Hote in Le Pouzin - including dog
Das lustigste was uns bisher passiert ist war übrigens vor einem Supermarkt kurz hinter Lyon. Wir wurden von einem älteren Ehepaar angesprochen – und während ich versuchte aus den freundlichen Worten etwas zu verstehen, tippt die Frau ihren Mann an und sagt: “Schatz, ich glaub die sprechen kein Französisch. Sieh mal wie die reisen – das macht kein Franzose!” Das habe ich verstanden und mich beinahe weggeworfen vor lachen 🙂

Morgen geht es Richtung Orange – wir kommen dem Mittelmeer immer näher!

Bis bald,

Claudia & Olli

Tag 11, 12 & 13: Das erste halbe bisschen ist geschafft!

Liebe Freunde!

nachdem wir von Dole und dem ultimativen Chambre d` Hote bei Francois von der La Batellerie (unbedingt merken, wer da vorbei kommt!! Eine bessere Unterkunft KANN MAN NICHT FINDEN!!) sehr unwillig aufgebrochen waren, ging es Richtung des Flusses Saône. Zu Olli`s Entsetzen führte uns das zunächst Richtung Nord-West. Und das ist ja ziemlich genau 90 Grad zu dem, wo wir eigentlich hin wollten… Das klärte sich dann irgendwann und wir fuhren wir wieder in die “richtige” Richtung. Auch weil wir irgendwann wieder den Radweg verliessen und uns ab durch die Dörfer schlugen. Zum Mittag waren wir auf einer sonnigen Terrasse mit etwa 20 weiteren französischen Radfahrern, die in der Gegenrichtung unterwegs waren und uns nach dem Zustand des Radweges (in Deutsch… :-)) fragten.
Der Tag war schön – eine lebhafte, hüglige Landschaft und auch wenn das hiess, dass wir immer wieder rauf und runter mussten, so war es doch ein sehr vergnüglicher Fahrradtag. Wir kamen an unserer Unterkunft an, die sich als Jadgschlösschen aus dem 17. Jahrhundert herausstellte…. in recht originaler Verfassung in jeder Hinsicht. Als die Besitzer fragten, ob wir denn auch Abendessen haben wollten waren wir begeistert – und oh Mann, haben wir wunderbar gegessen! Das meiste war aus der Region oder gar dem einen Garten und es war unglaublich lecker. Vier Gänge später kamen leicht verirrte Britische Gäste an, mit denen wir dann viel zu lange lachend und Wein genießend am Tisch sassen und die Zeit vergassen…

Chambre d`Hote in Givry   View on Cluny

Am nächsten Morgen waren wir dann erstaunlicherweise doch die ersten, die auf den Beinen waren und machten und auf den Weg nach Cluny (oder wie Olli es auf Finnisch-Franzöisch ausspricht Clooney). Da wollte ich immer mal hin! Cluny, in dem so vieles kirchengeschichtlich wichtige erdacht und formuliert worden ist – und womit ich mich zusammen mit meinem Studienfreund Janni beschäftigt habe. Wunderbar! Von dem Kloster und der Kirche ist kaum noch etwas da (wurde alles im 17. Jhd gründlich zerstört und geschleift), aber die Stadt ist hübsch – und für mich war es wirklich etwas besonderes in dem Rest des alten Gemäuers herum laufen zu können.
Cluny Abbey   Nach Cluny ging es immer wieder knackig bergauf… teilweise 10 – 15% Steigung. Da musste ich dann doch auch zweimal schieben und meine Beine fanden den Ausflug auf einmal gar nicht mehr so einfach. Toll war der längste Fahrradtunnel Europas: Tunnel klingt ja erfreulicherweise so, als würde man da eher ohne Steigung durch den Berg kommen, aber dem war nicht so. Nachdem wir japsend den Berg hoch geradelt sind (wenn man das bei ca. 5km/h so nennen darf) sind wir dann steil bergab gerollt und in den Tunnel rein – 1,6 Kilometer. Ein offenbar alter Tunnel der Eisenbahn. Und dann haben wir dabei auch noch die 1000 Kilometer-Marke erreicht,.. wir sind seit 1000 km unterwegs – wer hätte das gedacht?
Ziel der Etappe war Macon, von dem wir praktisch nichts gesehen haben. Unsere last-minute Übernachtung haben wir neben dem Einkaufszentrum gefunden und so haben wir von der Stadt nichts gesehen.

Gravel, Gravel, Gravel

Die 12. Etappe war überraschend unerfreulich. Die Radwege wurden schon in den letzten Tagen immer schlechter – aber heute war es dann wirklich schlimm.   Die Wege waren unbefestigt mit faustgroßen losen Steinen – über eine Strecke von gut 6 Kilometern. Danach sind wir auf die Strasse ausgewichen, die ziemlich stark befahren war. Die 70 Kilometer heute waren anstrengend – gut, dass morgen (Sonntag) Ruhetag ist! Laut gelacht haben wir dann als Französisch Ignoranten bei diesem Ortsnamen… St. Cure d`Ars. Das muss ein Wallfahrtsort für Fahrradfahrer sein – bestimmt!! Cyclists cure....

Lyon hat uns bisher total überrascht. Was wir gesehen haben ist schön und immerhin ist es ja die Hauptstadt der französischen Küche 🙂 Bisher haben wir ein sehr unterhaltsames Ballett mit professionellen Tänzern auf einem Platz gesehen (Damen wie Herren im Tütü – sehr fein) und über die schöne Architektur gestaunt. Morgen werden wir uns weiter umsehen in der Altstadt und wohl ein Museum besuchen.

 

Bis bald!

Claudia & Olli

Leg 11, 12 & 13: Where I lay my helmet is my home

 

 

Castle between Cluny and Macon Givry - Hunting Lodge

 

Dear Friends!

after we left quiet unwillingly from Dole and the best accomodation ever (cheers to Francois and La Batellerie! Who ever plans to travel near Dole – THIS is the place to stay! We went to meet the river Saone and  to Olli`s utmost horror the direction of the bike road turned north-west – pretty much 90 degrees from where we actually wanted to go. But when we decided to leave the bike road behind and looked for our own path through hamlets and villages things turned out all right again – thanks to leaving the gravel bike road for the small and calm “normal road”. We found a pretty terrace restaurant where we shared our lunch with fellow cyclists (from France) which interviewed us – in German 🙂 on the quality of the bike road. We felt very important…! It was a lovely day indeed – rolling hills which led us up and down continuously but without being too hard to cycle. A truly delightful bike ride. When we reached our accomodation for the night we found it to be a hunting lodge from the 17th century which in many ways was in pretty original condition. We were more than happy to accept the offer from the hosts to cook dinner for us – and what a good decision that was! Most of the food was regional – if it did not come straight from their own garden. It was delicious. Four courses later an English couple arrived (they got lost and were late as well for the dinner) and we did spend more time than we expected with them talking, laughing and emptying the wine…

 

Surprisingly enough we were the first ones to get up the next morning and started our route to Cluny (or as Olli pronounces it in perfect Finnish-French: Clooney…). It is one of those places I wanted to see all my life. Cluny… where all of those important decisions in mediaval church history have been prepared and thought up – and which have studied with my friend Janni back in Constance. A dream coming true! Not much is left though of the buildings, church and abbey have been thoroughly ransacked in the 17th century – but the town is pretty (built largely with the stones taken from the mentioned abbey). For me it was really special to be able to walk around Cluny…!

View on Cluny   Cluny Abbey - detail

Leaving Cluny we found steep passages over and over again – partially as much as 10-15% elevation. Too much for me – I had to push the bike twice and my legs started complaining (bodylanguage… unmistakable!). Remarkable was the longest bicycle tunnel in Europe – it is 1.6 kilometers long. It expected us after another steep elevation – so we went up exasperated (speed around 5km/h…) , had an impressive decline and in we went into this former train tunnel. Interesting experience!
Shortly after that we did reach the 1000 Kilometer mark – hard to believe, really!! We have been cycling already 1000 kilometers…

Finish line of the stage was Macon – which we have not seen much of to be honest. Our last minute accomodation was in a commercial centre and we did not enter into the town (rule number 1: most importantly you need a place to sleep!).

Leg 12 was surprisingly un-delightful… Even though the bike roads became increasingly bad over the past days, this one was really bad. The unpaved paths were covered in gravel – but this time the stones were as big as fists and loose. For about 6 kilometers that was the track before we abandoned it to cycle on a road which had rather heavy traffic. All in all a bit stressful those 70km – so the rest day on Sunday s most welcomed!

Lyon as the target of our stage and rest-day has surprised us immediately. What we have seen so far is pretty well – we are in the gourmet capital – what more is there to ask? We stumbled across a comical ballett on a square – boys and girls equally dressed in tutu`s – which was a laugh. The architecture is impressive and has a lot of art deco elements. We will further roam around…

So it is bye bye from us for now – bye bye!

Claudia & Olli